Dienstag, Juni 21, 2005

Zusammenfassung eines Essays „über Digitale Kunst“

Digital Fotografie

Der allgemeine Vorwurf, digitale Medien würden eine Überschwemmung
mit überflüssigen Bilddateien hervorbringen und jeden Deppen dazu in die Lage versetzen, die Welt mit seinen digitalen Urlaubs-Diashows zu belästigen, übersieht hinlänglich, dass die Fotografie, d.h. auch die analoge, ihre Stärke eben in der schnellen Massenproduktion
liegen hat und ganz selbstverständlich die Selektion (d.h. den Künstler ) als regulierende Kraft mit in den Schaffensprozess einbezieht.
Es geht ganz gewiss nicht darum, auf Anhieb das perfekte Bild zu schiessen und dieses dann als Einzelstück entwickelt zu verkaufen, obgleich dies ein vollkommen legitimer Ansatz ist. Im Gegenteil erfordert die fotografische Praxis eine enorme Vielfalt an Versuchen, um mit dem künstlerischen Arbeitsmaterial der Fotografie ersteinmal die nötigen Erfahrungen zu machen.
Das gilt zunächst und in erster Linie geht es nur darum, für die Selektion!
D.h. für die Wahl des Wirklichkeitsauschnittes (oder Bildausschnittes). Dafür müssen viele Aufnahmen gemacht werden, die dann verglichen und nach verschiedenen Kriterien, nicht zuletzt nach Geschmack (über Geschmack lässt sich angeblich streiten, außerdem sei er im rationalen Diskurs um die Kunst nicht zulässig... Geht es denn hier um letzte Werte, oder was?) kategorisiert und selektiert werden.

Was ist nun der Unterschied zwischen analoger und digitaler Fotografie?

Es sind letztlich nur die Arbeitsmaterialien, der Arbeitsprozess und - die Kosten.
Es darf nicht geleugnet werden, dass der Vorteil digitaler Fotografie und Bildbearbeitung in dem relativ geringen Arbeits- und Kostenaufwand liegen.

Es reicht ein mehr oder weniger modernen Computer mit USB-Schnittstelle, eine kleine Digitalkamera, ein kostenloses Bildbearbeitungsprogramm wie THE GIMP und schon kann es losgehen. Keine Chemikalien, keine Dunkelkammer, keine Kosten für Film und Entwicklung. Fotos kann man sich auch auf dem Computerbildschirm ansehen und falls gewünscht ausdrucken (Fotodrucker gibt es zu kaufen bzw. Druckservices gibt es in allen Drogerie- und Fotogeschäften.)
Diashows kann man per Beamer an die Wand werfen, auf dem Computerbildschirm oder
per DVD über den Fernseher betrachten. Power-Point Präsentationen eignen sich ebenfalls für kommentierte Diashows.

Es darf nicht verschwiegen werden, dass die großen Fotokünstler, Magazinfotografen usw.
sich vor allen Dingen eines zunutze machen: ihre Resourcen. Wo auch immer das Geld erkommt, es ist ein treibender Faktor in der analogen Fotografie (in der Kunst allgemein). Gewesen und immer noch. (Das gilt natürlich auch für teure Digitalkameras und aufwändige und mächtige
Bildbearbeitungsprogramme...)
Denn mit diesem Geld ist es ihnen möglich, viele Filme zu verknipsen, zu entwickeln und aus der so produzierten Masse im Nachhinein auszuwählen. Die Aufnahmen, die wir in den Magazinen oder Ausstellungen finden sind - selektiert. Nicht (notwendigerweise) inspiriert.

Man darf dies jedoch nicht so verstehen, dass nun jeder, der eine digitale Kamera benutzt und tausende Bilder macht, danach selektiert nun auch Künstler genannt wird. Künstler wird genannt, wer auf bestimme Weise selektiert und damit - gefällt.

Die Sehgewohnheiten der Masse, wichtiger aber, die der Kunstkritiker und noch wichtiger, die der Kunstsponsoren sind maßgeblich am „Labeling-Prozess“ (Künstler) beteiligt. Wer Einfluss hat, avante-gardistisch Kunst macht, das Establishment kritisiert, der ist noch kein Künstler solange er nicht von seinen „Feinden“ so genannt wird.

Die Definitionsmacht liegt nicht beim Künstler, sondern bei dessen Kritikern, d.h. aber auch bei seinen Bewunderern, Fans etc. Am Ende also beim Betrachter, der des Künstlers Werk vielleicht noch dem Künstler selbst Aufmerksamkeit und (Be-)Achtung schenkt.

Ähnlich wie in der Improvisation in der Musik, muss der Musiker ein Gefühl für die "Richtigkeit“ seiner spontanen Melodien etc. finden. „Harmonische Gesetzmößigkeiten“ mögen dabei ein kleine Hilfe sein, viel wichtiger ist jedoch die Erfahrung, das ständige Spiel mit der Musik, um eigene Ausdrucksweisen, eigene Hörgewohnheiten zu entwickeln und zu realisieren.
Wer streng nach Regeln „improvisiert“ klingt auch so. Dasselbe gilt für die Fotografie!

Es gilt eigene Wege der spontanen und geplanten Bildkompositionen zu finden, sich dabei durchaus der herkömmlichen Regeln zu bedienen, aber nicht davon einzwängen zu lassen.

Um das zu lernen muss man - spielen bzw. fotografieren. Bewußt, mal konzentriert, mal spielerisch, in verschiedenen Launen, bei unterschiedlichem Licht, in gewohnten und ungewohnten Umgebungen.

Man ahmt nach, man schafft Nachahmenswertes usw. Und : man schafft sehr viel Schrott.

(Alexander-Lars Dallmann)
Jeder ein Künstler?

Fragment und Notiz zu einigen Gedanken

Wer sagt denn, jeder sei ein Künstler?

Ich sage, vielleicht kann jeder ein Künstler sein. Aber was ist denn ein Künstler?

Um nicht den gesamten Diskurs über Kunst aufzurollen, folgen hier nur ein paar (gewiss verwerfliche) Hypothesen und Kommentare zum Künstler-Sein:

Du fragtest, was ein Künstler sei. Ich zeigte Dir die Welt. Weshalb bist Du so unzufrieden?“

Ein Künstler sucht. Er sucht auch nach Ausdrucksformen. Er sucht nach seinem
eigenen Wesen und dem der Kunst. Seiner Kunst.
Er sucht ,und für die Suche muss er gewappnet sein. Will er sich wappnen. Muss sich auf Reisen begeben.
Für seine Expeditionen benötigt er Mittel und: Wege. Die muss er suchen, oder sich schaffen.
Ein Künstler ist ein Reisender. Ist in Bewegung und zuallerst muss er dies lernen: sich bewegen.

Seine Hände: Um den Pinsel, den Stift zu führen. Aber nicht nur seine Hände.
Seine Arme: An denen hängen die Hände und will er die Hände meistern, muss er die Arme bewegen können.
Seine Schultern: An denen hängen die Arme, an denen die Hände hängen. Auch die Schultern muss er meistern...
Letztlich seinen Körper muss er bewegen lernen, sich bewegen lernen, damit er den Pinsel, den Stift,
den Meißel, ganz gleich welches Werkzeug bewegen kann und führen kann.



Das Kunstwerk ist eigentlich nur ein Zitat eines Künstlers.“

(Alexander-Lars Dallmann, 21.06.2005)

Mittwoch, Juni 15, 2005

Ein Anfang

"Der Ausdruck eines jeden Künstlers ist Bewegung, nicht Farbe
allein, oder ein Motiv.
Bewegung. Das gilt für den Maler, Zeichner, Bildhauer, Musiker,
Kampfkünstler, auch für Dichter und Schriftsteller, für Schauspieler.

Die Kunst des Bewegens"
(Alexander-Lars Dallmann 14.6.2005)