Montag, Mai 17, 2010

Dinos in Gießen

Ein T-Rex im Seltersweg überwacht die Wege der shoppenden Besucher.Wer sich auffällig verhält oder zu hektisch bewegt, wird gefressen. Die Einkäufer sind beunruhigt.

Seit dem 24. April ist man auf Gießens Straßen nicht mehr sicher. Dinosaurier lauern in den Gassen der Fußgängerzone, belagern den Berliner Platz und halten das Gießener Elefantenklo besetzt!

Die Urzeitechsen sind nicht wie bisher angenommen ausgestorben! Wie das folgende sehr bewegende Amateurvideo beweist, wurden Kundschafter der gefährlichen Reptilien mit einem Hubschrauber eingeflogen. Danach startete die Großoffensive, bis kurze Zeit später Dinosaurier in der gesamten Innenstadt verteilt waren.


Ein Saurier landet auf dem Gießener Elefantenklo und bezieht Stellung zur Kontrolle des Fußgänger- und PKW-Verkehrs

Warnung an Eltern und Ältere!

Die Dinos fielen nicht nur durch Größe und furchteinflößende Mimik auf, sondern auch durch einen gewissen Knuddelfaktor, der nicht zu unterschätzen sei. Besonders Eltern mit ihren Kindern seien gewarnt, nicht auf die Verniedlichung von Gewalt und Grausamkeit durch Videospiele wie Super Mario Bros hereinzufallen und zweifelhafte Artgenossen wie dieses Monster mit der Mario-Spielfigur Bowser zu verwechseln.

Eltern sollen sich nicht von Kulleraugen blenden zu lassen.
Die Bestie beisst!

Kinder sind zu allen Zeiten von den Dinos fernzuhalten. Ältere Menschen sollen nur in Begleitung einkaufen oder den örtlichen Lieferservice wählen.

Auch Dinobabies wie dieses drollige Geschwisterpärchen sind gefährlich
und können Kinder wie Erwachsene tödlich verletzen!


Hinweise zur Sicherheit und zu den Dino-Mediatoren:

Zwar wurde die Bevölkerung rechtzeitig durch Flyer gewarnt, doch missverstand man das Schreiben anscheinend als Werbekampagne für Gießen. Offiziellen Mitteilungen zufolge soll der Ausnahmezustand noch bis zum 18. Juli dieses Jahres andauern. Bis dahin will man mit den Dinos verhandelt und eine Übereinkunft getroffen haben.

Wer die Gießener Innenstadt aufsucht, ist und bleibt in dieser Zeit auf sich allein gestellt! Die freundlichen Helfer des freiwilligen Polizeidienstes leisteten zwar in Schrecksekunden Beistand, könnten darüberhinaus nur in wenigen Fällen beratend zur Verfügung stehen.

Zudem würden Studierende der JLU Gießen rund um die Uhr als sog. Dino-Mediatoren eingesetzt, um bei Übergriffen seitens der Dinosaurier auf Kunden und Besucher dazwischen zu springen und die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

Ein Raptor kurz vor dem Angriff auf eine Mutter und ihr Kind!
Eine mutige Studentin (21, blond) warf sich in letzter Sekunde dazwischen.
Das Foto entstand kurz vorher mit ihrem iPhone und wurde getwittert.

Das habe den Nebeneffekt, "dass Studierende einen sinnvollen Beitrag für die Gemeinden leisten können", so ein Sprecher des hessischen Bildungsministeriums.

Es wird empfohlen die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen und wie gewohnt einkaufen zu gehen, um nicht zu allem Ärgernis daraus noch einen wirtschaftlichen Schaden für den Standort Gießen werden zu lassen.

Indes sind Bewohner Gießens verunsichert und trauen sich kaum noch offen auf die Straße. Da verschiedene Dinos auch eigene Beuteschemata besitzen, kann man sich nicht sicher sein, welches Verhalten gerade angebracht ist. In jedem Fall gilt: Vorsicht!

Wie sieht also der Alltag aus?

Manch einer robbt durchs Gebüsch und huscht von Hausecke zu Hausecke und bewegt sich so durch die Stadt, die vor kurzem noch fest in Menschenhand war! Wer bei den Pfadfindern war, wird das Schleichen gelernt haben. Jetzt zahlen sich die Lagerfeuerliederabende und allerlei Quälerei männlicher Bestätigungsrituale aus!

Versteckt im Gebüsch, aber doch nicht sicher!
(Szene nachgestellt)

Doch dem wachsamen Auge eines Dinos entgeht nichts! Schon hat das Untier den Schleichenden erblickt und hält ihn mit seinem hypnotisierenden Starren gefangen! Wehe dem, der sich in solcher Lage wiederfindet!

Und dann ist es passiert! Niemand entkommt dem Hypnoseblick der Riesenechse!
(Originalfoto der Schrecksekunde! Thorsten, 43. Man fand nur noch das Handy!)

Gibt es eine Auszeit von der Angst?

"Ich bin total erschüttert! Meine Lieblingsläden sind nicht zu erreichen! Ohmeingott! Wie komme ich jetzt in die Chocolaterie! Ich brauch Schokolade!" (Maria, 23)

Manch einem mag der Trubel um die Dinos gar zu bunt werden und ruht sich lieber in einem der Gießener Cafés aus und genießt Kaffee, Kuchen und etwas Gesellschaft. Mitunter auch die neidvollen Blicke derer, die selbst gerne einen Sonnenplatz hätten, sich aber nicht trauen, sich dazuzusetzen.
Das Café Geißner in Gießen nahe bei den Schwätzern bietet feine Kuchen, uriges Ambiente und guten Kaffee. Man kann durch den Park schleichen, wenn man von der Johanneskirche kommt, um den Dinos zu entgehen. Danach muss man sich im Café nur an grinsenden Marzipanechsen vorbeidrücken, wird dann aber freundlich bedient und darf dann für eine Zeit abschalten.

Zeit für Notizen und Reflexion. Carpe Diem - ob man noch heil nach Hause gelangt?

Wer dabei verträumt ein Nickerchen macht, wird vielleicht unlieb überrascht, wenn die groteske Realität der Dinoinvasion ins Traumland sickert. Wer weiß, ob die urige Café-Atmosphäre nicht einem 70-er Jahre Horrorfilm weicht, und offenbart wird, was sich wirklich hinter Omas Lieblingsrezept für Himbeerkuchen verbirgt?

Das Geheimnis von Omas Himberkuchen ...

Zurück zum eigentlichen Thema: Die Dinos sind da und man muss irgendwie damit umgehen. Zwar sind zur Zeit nur die Bereiche der Innenstadt wirklich betroffen, doch es wurden seltsame Kreaturen am Stadtrand und nahe der Lahn gesichtet. Möglicherweise ist in dieser Zeit mehr im Gange, als wir wissen oder wissen möchten. Nichtsdestotrotz: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste und Ignorance boosts sales kills!

Wer leise ist, geht dem T-Rex am Arsch vorbei

Instrumentalisierung der Katastrophe?

Experten und Kritiker streiten sich noch, ob der Dinobesuch lediglich ein PR-Gag, oder ob die innere Sicherheit gefährdet sei und der Ruf nach Verstärkung der Polizeikräfte erhört werden müsse. Man spricht von ca. 38 Millionen Euro, die für Verstärkung der Polizei vorgesehen sind, um den zukünftigen Anforderungen gewachsen zu sein.
Die Zahl der Studierenden, die nebenjobbedingt (s.o.) von Dinosauriern angefallen, verletzt und sogar getötet wurden, stieg bislang auf 61 an. 23 weitere sind bisher vermisst.
Zudem sei noch ungeklärt ob unter den Todesfällen nicht der eine oder andere Suizidverdacht bestätigt werden muss.
Im Zuge der drastischen Sparmaßnahmen (man spricht von ca. 38 Millionen Euro), die auch und besonders die Hochschulen treffen, wurden Gerüchte laut, Studierende wüssten nicht mehr weiter und griffen in ihrer Verzweiflung zu drastischen Maßnahmen. Eine Gießener Studentin (Jaqueline, 22), die kurz erklärt, wie unter Studierenden dazu gedacht wird: "Dinofutter. Ich nenne sie Dinofutter." Mattias (24, BWL) kommentiert die Lage wie folgt: "Ich sehe die Krise als eine Chance. Für alle. Es gibt außerdem andere Wege, wie sich besonders Komilitoninnen ihr Taschengeld verdienen können. Ne, Jacky?"

Ein Untersuchungsausschuss wird sich mit der Sache beschäftigen, um eine Regelung zu finden, damit die Arbeit der Dino-Mediatoren nicht verunglimpft oder beeinträchtigt werde.
Ein Gießener erklärte dazu: "Dino-Mediatoren sind wichtig. Zudem ist das eine gute Vorbereitung für die Zukunft. Wer weiß, wer noch alles in Gießen landet. Wir können uns das nicht leisten, dass Kunden und Besucher der Innenstadt angefressen werden. Die Idee Studierende z.B. der Philosophie und Pädagogik als Dino-Mediatoren einzusetzen, stieß auf großen Anklang. Es wird ja sonst immer nach Praxisbezug geschrien."

Is music the key? (Ist Musik der Schlüssel?)

Studierende des Gießener Musikinstituts formten den Bildungsstreik-Chor zu einem Dino-Chor um und treten seit dem letzten Wochenende kostümiert und singend für ein friedliches Miteinander ein. Jedoch ist ein gewissen Unbehagen in ihren Stimmen zu vernehmen. Der Chorleiter (Christian, 27, Dino-Mediator) wird seit Freitag vermisst.

Die Gießener und Besucher sind dazu aufgefordert, zu allen Zeiten Vorsicht walten zu lassen und sich nicht auf etwaige Gespräche mit den Dinos einzulassen, bevor die offiziellen Verhandlungen nicht erste Ergebnisse geliefert haben.

Streitigkeiten zwischen Kreationisten und Befürwortern der Evolution, wie sie es in Gießen seit längerer Zeit gibt, kamen indes noch nicht auf.

Gießens Bürgermeisterin zitierte vergangene Woche beruhigende Worte: "Keine Panik!" und bezog damit Stellung in dieser schwierigen Zeit.

"Ich weiß sowieso nicht was das soll. Die Panik. Gießen hat jetzt Dinos. Na und? Als ob die nicht schon längst in anderen Städten gelandet wären. Wir müssen uns damit abfinden, nicht allein in der Welt zu sein. Selbst der Vatikan spricht davon, dass außerirdisches Leben existieren kann. Vielleicht sind die Dinos nur wiedergekommen ..." (Klaus, 45)

Wir dürfen uns sicher sein: irgendwo passt einer auf,
dass die Sache nicht aus dem Ruder läuft!

-ald

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