Sonntag, April 10, 2011

Frankfurt Musikmesse 2011 - Eindrücke vom 07. April

 Muss ich sagen, dass ich begeistert bin?
"Even guitar faces work a lot better with the NEW Flaxwood Hybrid!"
Ehrlich, dass ist ein herausragendes Instrument.

Verschlafen!

Aufbruch
Wie immer wollte ich mit Eröffnung des Messetages das Gelände betreten. Allerdings hielt mich irgendetwas im Traumland auf, das mir die Rückkehr ins Wachen erschwerte. Der Weckruf kam per Handy. Auf zum Bahnhof, bei perfektem Timing noch einen passenden Zug bekommen, dann sitzen und befördert werden. Der Himmel ist blau ...

Ankunft
Karte gekauft. Messegelände betreten und Orientierung gesucht. Wo soll es als erstes lang gehen? Mittlerweile die sechste Musikmesse, die ich besuchte. Man weiß in etwa, was man zu erwarten hat.
Es ging zunächst zu den Gitarren ;)

Ein Ritter Bass mit Simpsons Illustrationen

Vintage Guitars
Ich kann mir ehrlich gesagt kaum etwas Langweiligeres vorstellen als eine Ausstellung oller Gitarren und Verstärker. Da überkommt mich sofort diese träge Müdigkeit, die ich bei Museumsbesuchen erleide.
Vintage Gitarren sind die Spielzeugeisenbahnen der Rock-Generation(en). 
Ich werde mich in zwanzig Jahren nach Originalausgaben der TSR Inc. Advanced Dungeons&Dragons-Reihe und anderen Rollenspielen umsehen und denken: Das waren noch echte Spiele! Nicht dieses Virtual-Reality-MMORPG von heute.
Wer auf Vintage-Instrumente steht, soll sie kaufen, sammeln, restaurieren. Das macht alles Sinn und Spaß. Aber als Verkaufsargument für eine neue Gitarre muss dieses Etikett künstlicher Authentizität nicht verwendet werden.

Colourmonics
Ein Stand, der mir im Vorbeigehen seltsam erschien, zeigte Farbtafeln und eine Zuordnung der Tonleitern zu den Farben. Was ich erst skeptisch betrachtete, schien dann interessant genug, um stehenzubleiben, Infomaterial zu lesen und schließlich mit Herrn Dr. Ulrich Hoegg zu sprechen, der das kleine Projekt führt. Farben verwundern nicht erst seit gestern (siehe: Die Erfindung der Farben) und wer über Farben nachdenkt, tut das nicht nur, um zu entscheiden, ob irgendwelche Kleidungsstücke zueinanderpassen oder ob eine schwarz-gelbe Koalition nicht allein wegen ihrer offensichtlichen Warnsignalwirkung (Wespenstreifen) schon abschreckend wirke. Was ist Farbe? Wie wirken Licht und Farbe zusammen? Gibt es irgendwelche nachweisbaren Zusammenhänge zwischen der Ordnung akustischer Schwingungen und Licht und Farbe?
Solche Fragen machen neugierig. Nähere Informationen sind der Website Colourmonics zu entnehmen.Ob es befriedigende Antworten gibt, muss man selbst herausfinden. Falls nicht, besteht die Möglichkeit weiterer Recherche, denn es haben schon andere dazu geforscht. Auf der Messe schien sich der Mehrheit eher für Produktfragen zu interessieren.

Kemper Profiling Amp
Die kleine deutsche Hi-Tech-Schmiede Kemper Amps bietet digitales Ampmodelling auf höchstem Niveau. Der Clou: es werden nicht irgendwelche beliebten, oft-kopierten, nie erreichten Ampmodells vorgestellt. Ganz anders: der Kemper Profiling Amp erstellt ein Ampmodell eines jeden beliebigen Amps. Also kann ich damit meinen Hughes&Kettner Tube 50 profilieren lassen und dann als digitales Abbild verwenden.


X Kemper, Entwickler des Kemper Profiling Amps, spricht über Idee
und Möglichkeiten der Neuheit

Praktisch für Studios, Gitarristen und Bassisten, die beliebte Amps verwenden, aber nicht jederzeit herumschleppen wollen.
Die zahlreichen Tuning-Möglichkeiten des Kemper Amps lassen angeblich Eingriffe in die klangliche DNA des Ampmodells zu. Digitale Effekte (Hall), Noise Gate u.a. Features sind ebenfalls vorhanden.


Thomas Wendt führt einen Profiling-Prozess durch
und spielt Original-Amp und Profil-Amp
 
Die Website von Kemper Profiling Amps bietet weitere lesenswerte Informationen, eindrucksvolle Videos und Hintergründe. Zudem geben bekannte Gitarristen und Produzenten Zeugnis von den Qualitäten des Kemper Amps.
Mir gefällt das innovative Teil.

Kitara Digital Guitar
Misa Digital Instruments stellte ein elektronisches Instrument in Gitarrenform vor. Die Kitara beinhaltet einen TouchScreen, CPU und ein Tastenfeld, das angeordnet ist wie das Griffbrett einer sechssaitigen Gitarre. Anschlüsse für Klinkenkabel, USB und Kopfhörer erlauben Verbindungen zu Verstärker, PA und Computer. Sämtliche Soundeinstellungen und Effekte können via OpenSource-Script von Anwendern programmiert und untereinander getauscht werden.

Schnittstellengerät in Gitarrenform.
Touchscreen und Taster auf dem Griffbrett.
Keine Panik. Die E-Gitarre wird dadurch nicht obsolet.

Wer jetzt aufschreit und den Untergang der Gitarrenkultur vermutet, kann sich getrost der analogen Klampferei widmen. Die Kitara kann als eigenständiger Synthesizer verwendet werden, dessen Möglichkeit, Gitarren- und Bass-Sounds zu spielen, lediglich eine unter vielen ist. Wie die im vergangenen Jahr vorgestellte Eigenharp des britischen Entwicklerstudios Eigenlabs, eignet sich das Instrument für Musiker, die damit eigene neue Wege gehen wollen.
Wer Gitarre (besser als Klavier) spielen kann, der findet mit der Kitara vielleicht eine interessante Begleitung.
Elektronische Tanzmusik? Yeah, rock it with Kitara!


Ein Produktvideo von Misa Digital
zeigt Anwendungsmöglichkeiten der Kitara

Flaxwood Guitars
Was im vergangenen Jahr noch ein Prototyp war, ist heute ein ausgereiftes Gitarrenmodell. Die Flaxwood Hybrid verbindet die exzellenten Eigenschaften eines Flaxwood-Halses mit einem soliden E-Gitarrenkorpus aus Erle. Die originalen Flaxwood-Modelle sind komplett aus dem Holz-Komposit-Material mit ausgehöhltem Resonanzkörper gefertigt und bieten ansprechendes ergonomisches Design, Bearbeitung durch Instrumentenbaumeisterhände und ausgesuchte Hardware (Schaller, Gotoh) und Tonabnehmer renommierter Hersteller (Seymour Duncan, DiMarzio, EMG).

Ich und die Haari Special.
Feine Gitarre, meine Lieblingsflaxwood
bleibt aber die Flaxwood Äijä

Der Prototyp der Hybrid war zunächst mit geschraubtem Hals und einem Korpus aus Flaxwood vorgestellt worden. Der ungehöhlte Flaxwood-Korpus war jedoch zu schwer, weswegen man sich wohl für die Variante aus Erle entschied.


Harry Orlove stellt das Flaxwood Hybrid Modell
auf der NAMM 2011 vor.

Die Flaxwood Hybrid-Serie wurde u.a. entwickelt, um ein günstigeres Modell unter der 1000 Euro Marke anzubieten. Wer also ernsthaft ein Instrument sucht, das professionellen Ansprüchen gerecht wird und die Vorzüge eines Flaxwood-Halses bietet, der darf sich die Flaxwood Hybrid auf die Merkliste schreiben.


Tausch Guitars /.
Am Stand von Rainer Tausch gab es seine exzellenten Instrumente klassischer Bauweisen mit kleinen Extras und seine eigenwillige Slashdot-Serie zu bestaunen und spielen. Nachdem ich die letzten Jahre Slashdots mit Humbuckern gespielt hab, nahm ich dieses Mal eine Version mit strat-typischen Merkmalen: 3 Single-Coils von Harry Häussel und ein Standard-Tremolo. Die Gitarre hatte der Meister für sich selbst gebaut und gleich ge-relic-t, weil er sie eh zerschrammeln würde. Okay, in dem Fall, kann ich den Relic-Prozess verstehen. Sah auch gut aus.
Bemerkenswert an den Slashdot-Modellen ist ihre angenehme Bespielbarkeit. Trotz der kompakten Form hat man nicht das Gefühl, der Gitarre fehle es an Gewicht. Alles, was es zu packen gibt, ist dran. Schont außerdem den Rücken
Mein Lieblingsmodell unter den Holzgitarren

Coura Test-Oase
Ich war zwar angemeldet und hatte eine freie Eintrittskarte für Test-Oase und Konzert, allerdings gefiel mir der stresslose Messetag so sehr, dass ich mir einen Besuch im Guitar Centre an einem anderen Wochenende offen hielt. Dann gibt es zwar keine kulinarischen Spezialitäten aus Afrika, aber immer noch feine E-Gitarren mit würzigem Charakter für Gitarrengourmets. Sagte ich schon, dass mir die Malindi am besten gefällt?

Mattias IA Eklundh
So ziemlich die einzige Show, die ich mir angesehen hab, war die des freundlichen Schweden am Stand des britischen Amp-Herstellers Laney. Ein kurzes Konzert mit Humor und Posing für die Presse.

 Smile. Yellow Apple Horn.

Neben beliebten Stücken führte er seine Esstäbchen-(Chopstick)-Technik vor, die er einem alten Kung-Fu-Meister abgeschaut hatte. Kurzes Hallo-Sagen nach dem Konzert und dann ging's weiter durch die Hallen der vielen E-Gitarren und Bässe.

Geigenbogen war vorgestern.
Was ließ ich aus?
Die Ruokangas Gitarren habe ich auch dieses Jahr nicht gespielt, irgendwie hatte ich keine Lust dazu. Der Stand der Esh-Bässe reizte mich nicht weiter zum Ausprobieren, Luna Guitars waren zwar vertreten, aber ohne dem Gypsy Pre und bei Yamaha gab es viel Rummel ohne dass mich etwas dort hielt.
Der EMG Pickup Stand war überschaubar langweilig und bei Hughes&Kettner gab's zwar gute Konzerte, aber auch die interessierten mich gerade nicht. (Wie befürchtet sprang mein H&K Tube 50 prompt nicht mehr richtig an, nachdem ich von der Messe kam. Die müssen da einen Kill-Chip eingebaut haben... Nur wie konnten die mich identifizieren? Außerirdische Technologie, vielleicht? Ich sollte ganz schnell ein digitales Abbild des Tube 50 mit dem Kemper Amp erstellen. Oder ich kaufe mir den Hughes&Kettner Tube Meister 18 ...)


Der Hughes&Kettner Tube Meister 18 bietet zwei getrennte Kanäle
mit Mastervolumen, Boostkanal, EQ, Red-Box, Silent-Recording uvm.
 
Die Hallen mit Noten und Fachliteratur, akustischen Saiteninstrumenten, Drums, Percussion und Holzbläser ließ ich ebenfalls aus.

Rückfahrt
Den letzten Teil des Messetages verbrachte ich in der Music4Kids-Halle in der allerlei Klanginstrumente, Schlagzeuge und Geräuschemachspiele aufgebaut sind, an denen man sich austoben kann. Das tat dann auch ganz gut, und nach dem offiziellen Rausschmiss ging es in die Frankfurter Innenstadt zu einem kleinen Imbiss und dann nach Hause. Ein Illy Caffé Americano to go.

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