Montag, März 05, 2012

Kultur in Gießen: Nights - Performance (Jokus), Calamity Jane und Metaphobic (Domizil)

Fragmentierte und selektive Nacherzählung.
Da man das Handy ausmachen sollte, hab ich kein
Foto gemacht.

Nights - Ein Performance Fragment
Jokus, Gießen. 02. März 2012

In der Ankündigung hieß es:

LASS LIEBEN FÜR DIESE NACHT
LASS MICH STERBEN
UND WIEDER AUFERSTEHN
LASS MICH JETZT DORT SEIN

DIE PERFORMANCE WIRD IN EINEM OFFENEN ZUSTAND GEZEIGT. IM PROZESS. ALS EIN WAGNIS: ALS EIN TRAUM, KURZ VOR DEM ERWACHEN
MIT: NINA LINDHORST, HENRIKE WEISS, SARAH HÄCKER, KATHRIN UNGER, ANALENA LENZ, HELENA FRIES, VIRGINIA M.FARLEY, SARAH KANIA, ANNA UMBACH, BENITA WIEGAND, SHIRIN DOUSTMOHAMMADIAN.
KÜNSTLERISCHE LEITUNG: WOLFGANG SAUTERMEISTER

Ich hatte den Text der Ankündigung vergessen und überlegte während des Abends, wie die Unkenntnis eines Titels und seines Begleittextes meine Sichtweise veränderte. Es war nur ein leichtes nerviges Stubsen, das mir sagte: Du weiß den Titel nicht. Du weißt den Titel nicht.

Der Rest war aktives Beobachten. Und anstatt auf dem Stuhl zu bleiben, stand ich mit manchen anderen auf, um eine günstigere Sicht zu finden. Das funktionierte neulich schon gut, als ich ein Konzert des Gießen Improvisers Pool besuchte. Aufstehen, umherlaufen, Hör- und Sichtstandpunkt verändern, zur Musik bewegen. Und das Publikum sitzen lassen.

Gießen Improvisers Pool 
aus anderer Perspektive. (ald)
04.02.2012 Alte UB, Bismarckstraße Gießen.

Bei der Performance war es zwar nur für eine Szene, dass ich aufstand und den Raum durchschritt, um zu sehen. Aber immerhin. Andere blieben unbewegt sitzen oder wurden sogar zu Wegschauern oder Heimlichschauern, als sich eine Künstlerin bis auf die Unterwäsche auszog und unruhig im Schlaf wog.

Es ist eine einmalige Performance gewesen. Wer nicht dabei war, hat sie verpasst. Wer dabei war, konnte Eindrücke sammeln: von der Bewegung der Künstlerinnen, von ihrem Atem, von gehäkelten Topfplappen und schwarzen Bandagen, von Trauer bei wiederholtem Melancholiepopsong und durchtanzter Nacht.

Ja, und redet man jetzt darüber?

Ein wenig.

Ein wenig reicht manchmal. Die sinnliche Erfahrung ist ja da. Wer sie miterlebt, muss nicht viel darüber reden. Manchmal reichen Gesten, um sich darüber zu verständigen.

Augen und Ohren offen halten und spontan mal zu einer Kunstperformance gehen. 

Liebe - Die Tür steht offen (Notiz am folgenden Tag)

Die Tür ist offen.
Hinein, hinein!
03.03.2012

Calamity Jane - Burn the City
Domizil Gießen, 02. März 2012

Calamity Jane im Domizil.

Calamity Jane sind eine Band aus Gießen. Drei Musikerinnen, ein Musiker und jede Menge Rock'n'Roll. An diesem Abend mit zwei Musikerinnen und zwei Musikern, weil die Gitarristin in Afrika unterwegs ist. Die Musik bleibt.

Das Domizil ist eigentlich zu klein oder eben genau richtig für solche Bands. Headbanging direkt vor und mit den Musikern. Man tanzt auf demselben Boden und atmet dieselbe Luft.
Vielleicht mehr Rock'n'Roll als im Fußballstadion über Großleinwand, wa.

Benannt sind sie nach der Wild West-Legende. Und das Album "Burn the City" gibt es für'n Fünfer. Das reicht dann zum Hören bis zum nächsten Konzert.

Headbanger bekamen von der Frontfrau einen
Calamity Jane-Button.
Ha'ick mir gleich anne Jitarre jesteckt. 

Metaphobic (nach Calamity Jane)
Domizil Gießen, 02. März 2012

Metaphobic in der fürchterlichen Metal-Finsternis
des Musik-Kellers.

Metaphobic erlebte ich schon einmal zusammen mit der Band 350.000 (Dreihundertfünfzigtausend). Es gab wieder unterhaltsamen Prog-Metal. Eigenkompositionen mit Geige, mit Keyboard, mit Humor und mit Hingabe. Die kann ich nur empfehlen.

Als Zugabe gab es u.a. eine beliebte Metalhymne mit improvisierte zweiter Strophe auf Deutsch, "weil sowieso niemand die zweite Strophe von Warriors of the World kennt!" (W. Klassen)

Die Beleuchtung im Domizil.
Das Auge fängt mehr Licht, als
die kleine Kamera meines Sony Ericsson K800i.
Deswegen sind die Bilder so düster.
In Wirklichkeit war alles hell und bonbonfarben.

Anregungen (Sonstige)
  • Der botanische Garten sollte auch nachts geöffnet sein, mit Fackeln erleuchtet und bei Musik. Das wäre eine Ergänzung zu den botanischen Konzerten im Sommer.
  • In der Trattoria Piccola Roma in der Marktlaubenstraße gibt es leckere Pizza. Auch zum Mitnehmen für die Wiese im Sommer. Oder zu den o.a. genannten botanischen Konzerten am Abend.
Weitere musikalische Begegnungen

Worker Coffee
Am Faschingsdienstag 2012.
Worker Coffee

Während andere kostümiert irgendwas wie Fasching/Karneval/Fassenacht feierten, begegnete ich an jenem Nachmittag im Seltersweg einem Gitarristen, der alsbald von zwei Kollegen begleitet wurde.
Ich blieb bei ihnen stehen und lauschte mit einigen anderen Fußgängern. Eine kleine musikalische Transformation im Seltersweg, die mir sehr gut gefiel.

Worker Coffee spielen demnächst in Marburg und zwar im Rahmen des MaNo-Musikfestivals am 16.03.2012.

Eva Croissant am 23.02.2012 im Café Amélie.
"Du bist nicht irgendwer"-Tour

Eva Croissant

Ich traf sie am Abend im Seltersweg. Sie stand dort mit ihrer Gitarre und spielte ein Lied. Als ich mir einen ihrer Flyer nahm und den Namen las, sagte ich: "Ach, Du bist das." So begegnete ich Eva Croissant, deren Konzert ich mir schon vorgemerkt hatte, ohne zu wissen, was oder wer mich erwartet.

Im Café Amélie stellte sie dann Stücke ihres ersten Albums vor. Genre-typisch für Singer/Songwriter mit kurzen Anekdoten aus ihrem Leben und Hintergrund und Entstehungsgeschichte der Texte. (Über Akkordfolgen und Melodien habe ich bisher keine Songwriter reden hören.)

Ein schöner Abend in angenehmer Atmosphäre und bester Gesellschaft, die die Rezeption der Musik sicherlich beeinflusste, so wie die Musikerin die Atmosphäre gestaltete. Der Kontext zählt.

Und dann stellte sie eine unbekannte Gastmusikerin vor, mit der sie im Seltersweg ins Gespräch gekommen war und begleitete sie auf der Gitarre zu einem Lied.

Mir gefiel, dass sie ein Gästebuch auslegte und darin Kommentare der Besucher ihrer Du bist nicht irgendwer Tour sammelte. Kleine Fragmente und Notizen.
Ich schrieb ihr - mit einem Dank für die Musik -, dass sie sich nicht zum Frühstück fressen lassen solle. Mir schien, das sei ein guter Rat.

Kulturdreieck

Wenn noch jemand sagt, es gebe keine kulturellen Angebote in Gießen, der kann ja mal einen Schritt in Richtung Dönerdreieck wagen. Dort gibt es einiges zu entdecken.

Kommentare:

Torsten R. hat gesagt…

Schöne kleine episode. Danke für die Anregungen, ich klicke immer mal bei dir rein...
Wenn du am 20.3. Muse hast, nimm dir doch die Zeit und gehe zum Konzert des Kanadiers Morgan Finlay im MUK in Gießen.

LG Torsten

lars_alexander hat gesagt…

Hallo Torsten,

Morgan Finlay hatte mich schon vor einer Weile kontaktiert und sich ein Review seines Albums Latitude gewünscht.

Der Konzert-Termin ist vorgemerkt. ;)

beste Grüße!